Der kleine Harlekin

Es war einmal ein kleines Mädchen, dessen Lieblingsspielzeug ein kleiner bunter Harlekin war. Das kleine Mädchen liebte ihn sehr. Es spielte täglich mit ihm, und er durfte sogar in seinem Bettchen schlafen. Fast schien es manchmal, als ob der kleine Harlekin keine Stoffpuppe, sondern eher ein kleines Geschwisterchen wäre.

Eines Tages wurde das kleine Mädchen sehr krank, so krank, dass es fühlte, es würde nicht mehr lange leben dürfen. Es drückte den kleinen Harlekin in seinem Bettchen ganz fest an sich, und sagte: “Versprich mir, dass Du immer ganz nah bei mir bleibst, denn ich habe solche Angst vor dem Alleinsein.“ Dann schloss es seine kleinen Augen für immer.

 

So kam es, dass das Bettchen des kleinen Mädchens leer blieb; denn es gab jetzt nämlich ein kleines Grab. Die Eltern des kleinen Mädchens waren sehr, sehr traurig. Zum Trost setzten sie den kleinen Harlekin auf das Grab. Dort blieb er auch, und wartete darauf, dass sein kleines Mädchen wieder mit ihm sprechen und ihn wieder herzen und küssen würde.

 

Aber von dem kleinen Mädchen war nichts mehr zu hören und zu sehen, so lange der kleine Harlekin auch wartete. Er traute sich aber auch nicht wegzugehen, weil er die Rückkehr des kleinen Mädchens nicht verpassen wollte. Und weil immer mehr Zeit verging, wurden seine bunten Kleider in Wind und Wetter allmählich grau. Er konnte die Beinchen nicht mehr anheben; sie schienen wie fest verwurzelt in der Erde. Und so geschah es, dass nach langer Zeit des Wartens aus dem kleinen Harlekin ein Harlekinbäumchen geworden war.

 

Das lange, lange Warten auf sein kleines Mädchen hätte er wohl ertragen können, wenn sich sein Liebling nur einmal gezeigt, oder wenigstens eine Botschaft gesandt hätte. Er wurde immer trauriger und verzweifelter; seine Blätter rauschten immer wieder die Frage: „Wo bist Du; wann kommst Du denn endlich wieder?“

 

Eines Tages bemerkte er, dass sich auf seinen Blättern ein bunter Schmetterling niedergelassen hatte; und dieser Schmetterling schien einen kleinen Zettel bei sich zu haben. Mühsam entzifferte er die Buchstaben; dann begann sein Blätterherz vor Freude zu rauschen. Auf dem Zettel stand nämlich:

 

Mein lieber treuer Harlekin,

ich kann leider nie mehr kommen,
weil ich nämlich im Kinderhimmel bin.

Sei deswegen nicht traurig, denn es ist sehr schön hier.
Der Einzige, den ich außer meinen Eltern hier vermisse, bist Du.

Wie geht es Dir denn? Bitte gib dem Schmetterling eine Botschaft für mich mit!
Wenn das klappt, kann auch ich wieder eine Botschaft zurückschicken,
und so können wir immer in Verbindung bleiben.

Ja, und was soll ich sagen? Es hat geklappt, und so blieben das kleine Mädchen und das Harlekinbäumchen zwar getrennt, aber durch ihren Boten, den kleinen bunten Schmetterling, dennoch für immer verbunden.

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